Blick von oben

An einem einzigen trockenem Tag im September 2014 war die Hülle offen und offenbart einen Blick auf den 34 Metern großen Parabolspiegel.

Weltraumbeobachtungsradar TIRA

Eine neue Hülle für das Weltraumbeobachtungsradar TIRA

Fast 50 Jahre nach Errichtung des Weltraumbeobachtungsradars TIRA wurde seine Hülle vollständig erneuert. Das sogenannte Radom schützt das hochsensible Radarsystem vor Wind und Wetter. Damit das Radar nicht mehrere Monate der Witterung ausgesetzt gewesen wäre, wurde das neue Radom zuerst von innen aufgebaut und danach das alte von außen entfernt. Das neue Radom wird mit einem Durchmesser von 47,5 m etwas kleiner sein als das alte. Die Größe bleibt aber immer noch Weltrekord.

Sonne, Regen und Wind haben über die Jahrzehnte seit dem Bau der Anlage ihre Spuren hinterlassen. In der exponierten Lage in Wachtberg war es nach fast 50 Jahren Zeit, das gesamte Radom zu erneuern.

Nach jahrelanger Planung und Vorbereitung der Baumaßnahme zur Erneuerung des weltweit größten Radoms, der Hülle des Weltraumbeobachtungsradars TIRA in Wachtberg, begannen die Bauarbeiten im Januar 2014 mit dem Aufbau des Gerüsts im Innern der Hülle. Ziel war es, in mehreren Schritten das Gerüst bis kurz über den Parabolspiegel aufzubauen, also bis zu einer Höhe von ca. 44 Metern. Bei Erreichen der maximalen Höhe im Frühsommer waren letztendlich 780 Tonnen Gerüst verbaut. 

1800 Bohrungen zum Befestigen des Auflagerings

Damit die neue Hülle auch im Innern aufgebaut werden konnte, musste zuerst eine neue Auflagefläche geschaffen werden. Am oberen Rand des Betongebäudes wurde dafür ein neuer Auflagering aus Stahlbewehrung und Beton an das Gebäude angebaut. Damit das auch wirklich hält, wurden mit über 1800 Bohrungen – mit Durchmessern bis 20 mm und bis 120 cm Tiefe – Stahlstäbe in das vorhandene Gebäude eingebracht und mit Betonschalungen der ein Meter breite Auflagering erstellt.

Parallel dazu wurden die neuen Dreiecke, bestehendaus Aluminiumstreben und der für elektromagnetischeWellen gut durchlässigen Membrane, im Werk der Spezialfirma in Irland gefertigt.  Ab April lieferten dutzende LKWs die 1330 Paneele direkt neben die „Kugel“. Kurz darauf begannen die Monteure aus Irland und den USA mit der Montage der ersten Dreiecke. Zum Transport der Dreiecke nach oben wurden vier große Aufzüge im Gerüst genutzt. Passend zum Baufortschritt wurde das Gerüst weiter erhöht.

Im August war die neue Hülle soweit fertig, dass sie schon über den Rand des Parabolspiegels hinaus ragte. Damit waren über dreiviertel des neuen Radoms fertig. In der Zwischenzeit wurde neben der »Kugel« die Kappe des neuen Radoms zusammengebaut. Nun war alles vorbereitet für den sogenannten »Kappentausch«.

Vervollständigung des neuen Radoms mit dem »Kappentausch«

Nach wochenlangem Warten und Studieren des Wetterberichtes waren endlich Anfang September vier Tage trockenes und windstilles Wetter vorhergesagt. Am 1. September wurde der über 91 Meter hohe Kran aufgebaut, der die tonnenschwere alte Kappe abheben und die neue wieder aufsetzen sollte. Mit Sonnenaufgang am 2. September begannen die Arbeiter damit, die Seile des Krans an der alten Hülle zu befestigen und sie vom Rest abzutrennen. Gegen 14 Uhr war der obere Teil der Hülle abgetrennt und wurde angehoben. Nach nicht einmal 15 Minuten lag die sie am Boden und die »Kugel« sah aus wie ein geköpftes Ei. Zum ersten Mal seit dem Bau der Anlage konnte man den 34 Meter großen Parabolspiegel wieder von außen aus der Luft sehen – sogar über Nacht bis zum nächsten Morgen.

Am Morgen des 3. September montierten die Arbeiter die Seile des Krans von der alten Kappe an die neue. Dann wurden die Sicherungsleinen zum Boden entfernt, die Kappe angehoben und in die richtige Position gedreht. Langsam bewegte der Kran die Kappe über die „Kugel“, um sie dann nach unten in die richtige Stelle abzusetzen. Schon am Mittag war das Radom wieder geschlossen. Nachdem die Kappe fest mit der Hülle verbunden war, wurde mit dem Abbau der alten Hülle begonnen. Um zu verhindern, dass die alte Hülle bei starkem Wind die neue Hülle beschädigt, wurden zuerst alle alten dreieckigen Membranen ausgeschnitten, so dass zum Schluss nur noch das Metallgestänge übrig blieb.

In den nächsten Wochen wurde nun das alte Gestänge Schritt für Schritt mit drei LKW-Kränen abgebaut. Dabei mussten hunderte Streben zum Teil einzeln abgetrennt und zum Boden gebracht werden. Parallel dazu wurde das Radom gegen Wasser abgedichtet und das Gerüst im Innern abgebaut. Bis November wurde das komplette Gerüst aus dem Radom entfernt und TIRA konnte wieder den Betrieb aufnehmen.

Wegen des anstehenden Winters wurden die Restarbeiten auf das Frühjahr 2015 verschoben, so dass das gesamte Bauvorhaben bis Ende Mai 2015 abgeschlossen sein wird. „Nach jahrelanger Planung bin ich froh und erleichtert, dass der überwiegende Teil der Arbeiten mit Erfolg abgeschlossen wurde. Und ich bin zuversichtlich, dass nach vollständiger Fertigstellung das neue Radom lange das wertvolle Radarsystem schützen wird.“ so FHR-Projektleiter Jürgen Marnitz.