Bedarfsgesteuerte Beleuchtung auf Windkraftanlagen: PARASOL erhält Anerkennung durch die Deutsche Flugsicherung (DFS)

Presseinformation / 11.6.2018

Das passive Radarsystem PARASOL ist erfolgreich von der Deutschen Flugsicherung anerkannt worden. Damit steht der Windenergiebranche nun ein emissionsfreies Radarsystem zur Verfügung, um den Wirkbereich um einen Windpark zuverlässig zu überwachen. PARASOL dient der Steuerung der bedarfsgesteuerten Nachtkennzeichnung (BNK) für Windenergieanlagen. Entwickelt wurde das System vom Fraunhofer FHR in Zusammenarbeit mit der PARASOL GmbH & Co KG.

PARASAOL erkennt Flugzeuge in der Nähe eines Windparks und ermöglicht es, die Warnlichter nur bei Bedarf einzuschalten.
© Fraunhofer FHR

PARASAOL erkennt Flugzeuge in der Nähe eines Windparks und ermöglicht es, die Warnlichter nur bei Bedarf einzuschalten.

PARASOL besteht aus kompakten Einheiten und kann einfach den Windkraft-Anlagen angebracht werden.
© Dirkshof

PARASOL besteht aus kompakten Einheiten und kann einfach den Windkraft-Anlagen angebracht werden.

Im Radarbild sind die Echos der Rotorblätter (mittig) sowie die Spur des vorbei fliegenden Kleinflugzeugs (rechts) gut zu erkennen.
© Fraunhofer FHR

Im Radarbild sind die Echos der Rotorblätter (mittig) sowie die Spur des vorbei fliegenden Kleinflugzeugs (rechts) gut zu erkennen.

Rot blinkende Lichter am Nachthimmel können schon bald der Vergangenheit angehören. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat das Passivradar PARASOL für die Umgebungsüberwachung von Windparks zugelassen. „Das System nutzt die Signale des Digitalfernsehens, um die Warnbefeuerung auf Windkraftanlagen nur bei Bedarf einzuschalten, das heißt, wenn tatsächlich ein Flugzeug in der Nähe ist“, erklärt Prof. Dr. Daniel O’Hagan, Abteilungsleiter am Fraunhofer FHR.

Windenergieanlagen müssen ab einer Höhe von 100 m mit einer sogenannten Warnbefeuerung versehen sein. „Diese rot blinkenden Lichter kennzeichnen Hindernisse in bestimmten Höhen für Sportflieger und andere Flugzeuge“, so O‘Hagan. Allerdings hemmen die roten Warnlichter die Akzeptanz der Windenergie: Anwohner fühlen sich durch das Blinken genervt und die Lichter stehen im Verdacht, Vögel und andere Tiere anzulocken, die bei einem Zusammenstoß mit den großen Rotorblättern schwer verletzt werden können.

Hier setzt PARASOL an: Das System „belauscht“ sozusagen vorhandene Signalquellen. „Konkret nutzen wir das Ausstrahlungssignal von DVB-T2. Durch einen Vergleich mit dem Originalsignal und dem, was PARASOL tatsächlich empfängt, kann das System feststellen, ob ein Flieger in der Umgebung ist. Das Signal würde durch die Reflexion am Rumpf des Flugzeugs so verzerrt, dass Ort und Geschwindigkeit aus dem „Echo“ ermittelt werden können“, erläutert O’Hagan. Auf die Bildqualität im heimischen Wohnzimmer haben Flugzeuge jedoch keinen Einfluss, da die Flugzeugechos gegenüber dem direkten Sendesignal verschwindend gering sind.

In aufwändigen Messkampagnen wiesen die Projektpartner die Funktionalität und Zuverlässigkeit des Systems nach. Die besondere Herausforderung der Entwicklung lag in der eindeutigen Klassifizierung (Erkennung und Kategorisierung) von bewegten Objekten im Sichtbereich, d.h. die rotierenden Flügel der Windkraftanlage von einem anfliegenden Flugzeug zu unterscheiden. Damit ist es dem Fraunhofer FHR in Kooperation mit der PARASOL GmbH & Co KG gelungen, das weltweit erste zivile, kommerzielle Passivradar-System zum Einsatz zu bringen.

Erhältlich ist PARASOL über die PARASOL GmbH & Co KG. Bei einem Windpark mit mehreren Dutzend Anlagen belaufen sich die Anschaffungskosten auf ca. 450.000 €. Darin sind Installation und Testflüge inbegriffen, die für die Genehmigung von der Deutschen Luftsicherung (DFS) vor Inbetriebnahme eingefordert werden.