Jahresbericht 2019

Wachtberg-Forum im Zeichen von drei Jubiläen

70 Jahre Fraunhofer-Gesellschaft, 10 Jahre Fraunhofer FHR, 5 Jahre Abteilung Kognitives Radar: 2019 gab es für das Institut neben dem großen Jubiläum der Fraunhofer-Gesellschaft gleich noch zwei weitere Gründe zu feiern. Das 9. Wachtberg-Forum am 4. Juli bot dafür einen angemessenen Rahmen.

© Fraunhofer FHR / Hans-Jürgen Vollrath
© Fraunhofer FHR / Hans-Jürgen Vollrath
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Auf dem Wachtberg-Forum 2019 feierte das Fraunhofer FHR ein Jahrzehnt als Teil der Fraunhofer-Gesellschaft. Im Jahr 2009 wurden die Institute der Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften (FGAN) in die Fraunhofer-Gesellschaft integriert. Seitdem wurden zahlreiche renommierte Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit Partnern aus Industrie und Wissenschaft realisiert. Das Budget des Fraunhofer FHR verdoppelte sich auf 38,4 Millionen Euro und die Zahl der Mitarbeitenden stieg von rund 200 auf über 350.

Das Wachtberg-Forum wurde parallel zu der Öffnung des Instituts für Aufträge aus der Industrie als Plattform für den Austausch mit Kunden und Auftraggebern ins Leben gerufen. Seit 2010 präsentiert das FHR hier jährlich die neuesten Entwicklungen und Zukunftsperspektiven im Bereich der Radarforschung mit einem Ausstellungs- und Vortragsbereich. Das Wachtberg-Forum 2019 war das bislang größte, knapp 200 Fachbesucher kamen auf das Institutsgelände mit der »Kugel«, dem weithin sichtbaren Weltraumbeobachtungsradar TIRA. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer FHR zeigten anschaulich und praxisnah die vielseitigen Einsatzgebiete von Radar. Im Mittelpunkt standen die Weltraumbeobachtung mit Radar, Systeme zur Drohnenabwehr und Anwendungen zur Erhöhung der Sicherheit autonomer Fahrzeuge.

Politik, Wissenschaft und Verteidigung würdigen Entwicklung des Instituts

Zur Begrüßung sprachen Susanne Schneider-Salomon, Gruppenleiterin Außeruniversitäre Forschungsorganisationen im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Generalleutnant Klaus Habersetzer, Kommandeur Zentrum Luftoperationen, Renate Offergeld, Bürgermeisterin Wachtberg, Elisabeth Ewen, Direktorin Personal der Fraunhofer-Gesellschaft und Prof. Dr. Peter Martini, Stellvertretender Vorsitzender des Fraunhofer-Verbunds Verteidigungs- und Sicherheitsforschung VVS und Institutsleiter Fraunhofer FKIE. Ebenso informierten sich Dr. Norbert Röttgen, MdB, Sebastian Schuster, Landrat des Rhein-Sieg-Kreises und Oliver Krauß, MdL über die Neuheiten des Fraunhofer FHR.

Die Glückwünsche des Landes überbrachte Susanne Schneider-Salomon aus dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft: »Ich gratuliere dem Institut zu seinem Erfolg. Wir sind stolz, Europas führendes Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik in Nordrhein-Westfalen zu haben – im Besonderen im Hinblick auf die wissenschaftlichen Leistungen, die hinter den stark gewachsenen Budget- und Mitarbeiterzahlen stehen.«

Die große Bedeutung des Fraunhofer FHR als wichtigen Partner der Bundeswehr unterstrich Generalleutnant Klaus Habersetzer: »Ihre Produkte stellen eine wichtige Grundlage für die Arbeit im Weltraumlagezentrum da. Ihre Expertise und Ihr Fachwissen sind auf höchsten Niveau. Darauf kann man sich verlassen. Vielen Dank dafür.«

Durchweg positiv blickte die Zentrale der Fraunhofer-Gesellschaft auf zehn Jahre Fraunhofer FHR: »Die Integration des Instituts in die Fraunhofer-Gesellschaft war die richtige Entscheidung. Dual-Use Themen, also Entwicklungen, die ursprünglich für das Militär gemacht wurden, finden zunehmend Einsatz im zivilen Bereich und werden dort zu einem Erfolg oder sogar zum Game Changer«, sagte Elisabeth Ewen im Namen des Fraunhofer-Vorstands.

Auch die beiden Institutsleiter Prof. Dr. Peter Knott und Prof. Dr. Dirk Heberling ziehen eine erfreuliche Bilanz: »Unter dem Dach der Fraunhofer-Gesellschaft hat das Institut den Schritt in den freien Markt erfolgreich vollzogen. Wir sind stolz auf die vergangenen zehn Jahre und freuen uns, heute sowohl zuverlässiger Partner für den Bereich Verteidigung und Sicherheit als auch kompetenter Ansprechpartner für Lösungen in Industrie und Wirtschaft zu sein«, so Prof. Knott zum Jubiläum. »Ohne unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mit vollem Einsatz bereit sind und waren, sich auf Neuland zu begeben, wäre diese Erfolgsgeschichte nicht möglich«, ergänzte Prof. Heberling.

Hervorragende Entwicklung der Abteilung Kognitives Radar

Gefeiert wurde auf dem Wachtberg-Forum ebenso 5 Jahre Abteilung Kognitives Radar am Fraunhofer FHR. Auf Initiative des damaligen Institutsleiters, Prof. Dr. Joachim Ender wurde 2014 die neue Abteilung KR gegründet. Prof. Ender erkannte den Paradigmenwechsel und das Potenzial, das der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Radarsignalverabeitung bedeutet. Weg von den klassischen analytischen Verfahren, hin zu datengetriebenen Ansätzen. Darüber hinaus kam der Trend zu autonomen Systemen in der Automobil- und Luftfahrtbranche auf, die auch auf ein hochautomatisiertes Radarsystem übertragbar waren. Die Leitung der neuen Abteilung übernahm Dr.-Ing. Stefan Brüggenwirth.

In den vergangenen fünf Jahren wurde viel erreicht: Um das Fraunhofer FHR als weltweit führenden Akteur in diesem neuen Forschungsgebiet zu etablieren, galt es exzellente Expertise zum Thema künstliche Intelligenz und High-Level-Informationsverarbeitung aufzubauen. Durch die frühzeitige Initiative von Prof. Ender und die Strategie, explizit Mitarbeiter aus der Informatik bzw. mit einem Hintergrund in der KI oder maschinellen Lernverfahren einzustellen, war das Fraunhofer FHR von Anfang an bei diesem inzwischen vollumfänglich etablierten Forschungsgebiet mit dabei. Das Institut verfügt im Jahr 2020 über eine der größten Forschungsabteilungen für kognitives Radar weltweit. Meilensteine sind die gemeinsame Definition einer kognitiven Radararchitektur mit der Industrie und der unlängst erschienene IEEE AESS Special Issue zu kognitivem Radar.

Seit 2014 ist die Abteilung von 14 auf 31 Mitarbeitenden angewachsen. Die Zukunftsaussichten sind hervorragend, da der Trend zu KI und autonomen Systemen weiter anhält. Die Herausforderung bleibt dabei, im Wettbewerb mit der Industrie die besten Köpfe beim Thema KI zu gewinnen. »Hier bewirkten das junge, dynamische Team und das spannende Forschungsthema, dass die Abteilung stetig aufwachsen konnte und dies auch für die Zukunft abzusehen ist«, so Dr. Stefan Brüggenwirth zum fünfjährigen Jubiläum seiner Abteilung.

 

© Fraunhofer FHR / Hans-Jürgen Vollrath
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