Verteidigung

Der Fraunhofer-Idee gerecht werden

SAR-Abbildung des .Daimler-Benz-Werks Wörth.
© Fraunhofer FHR

SAR-Abbildung des .Daimler-Benz-Werks Wörth.

Im Jahr 2017 hat das Fraunhofer FHR sein größtes Geschäftsfeld weiter gestärkt, um noch besser auf die Kundenbedürfnisse eingehen zu können. Mit Dr. Udo Uschkerat übernimmt ein erfahrener und gut vernetzter Wissenschaftlicher die Funktion des Geschäftsfeldsprechers Verteidigung in Vollzeit.

Dr. Uschkerat, Sie üben die Tätigkeit des Geschäftsfeldsprechers in Vollzeit aus und haben dafür Ihre bisherige Laufbahn als Wissenschaftler verlassen. Wie kam es dazu?

Ich habe jeher auf Themen gearbeitet, die ausdrücklich im Bereich der Verteidigungsforschung angesiedelt waren. In diesem Segment bin ich also seit über 20 Jahren aktiv, entsprechend gut vernetzt. Als bei der Institutsleitung die Entscheidung getroffen wurde, diese Funktion in Vollzeit zu besetzen, wurde ich als mögliche Besetzung vorgeschlagen und angesprochen. Die Aufgabe klang verlockend – also habe ich zugegriffen.
Bedingt durch den Wechsel in eine andere Position mussten Sie auch die Arbeit in Forschungsprojekten einstellen. Vermissen Sie das?

Es war nicht in allen Punkten einfach, die Zelte abzubrechen. Es gab doch einige Projekte, wo ich mit viel Herzblut dabei war. Auch hier musste das Staffelholz übergeben werden. Aber das weiß ich alles in guten Händen. Projektakquise und Kundenpflege waren Dinge, die mir auch in der Vergangenheit gut und gerne von der Hand gingen. Mit der neuen Position habe ich einige Pflichten übernommen, trotzdem gibt es auch Freiräume, die ich nach meinem Ermessen ausfüllen darf. Das finde ich natürlich toll!

Wie umfangreich muss man sich Ihr Betätigungsfeld als Geschäftsfeldsprecher vorstellen?

Die Verteidigungsforschung war und ist unser wichtigstes Betätigungsfeld und macht rund 70% unserer Aktivitäten aus. Daher ist es wichtig, das Ohr am Kunden zu haben – auch wenn wir selbst nicht die Produkte liefern. Aber wir müssen wissen, welchen Herausforderungen die Kunden unserer Partner gegenüberstehen, damit wir gemeinsam die richtigen Lösungen entwickeln können. Hier bin ich zentraler Ansprechpartner und vertrete das Institut bei Bedarf auch in anderen Gremien und Organisationen. Selbstverständlich gehört die Repräsentanz auf Symposien und Fachtagungen, aber auch auf Messen zu meinen Aufgaben.

Wie wichtig ist es, nicht nur ein Ohr am Kunden, sondern auch an der wissenschaftlichen Community zu haben?

Wir betreiben angewandte Forschung – daher müssen die neusten Entwicklungen im Bereich der Grundlagenforschung beobachtet werden. Dieser Technology Watch ist unerlässlich, um Ideen für neue Anwendungen und Techniken zu generieren. Denken Sie nur an Quanten-Radar und Nanotubes. Welche Möglichkeiten uns das eröffnen wird!

Was genau bedeuten neue Technologien denn für das Fraunhofer FHR?

Als Fraunhofer-Institut konzentrieren wir uns auf die angewandte Forschung und Entwicklung. Daneben gibt es die Grundlagenforschung, die an den Universitäten und anderen außeruniversitären Einrichtungen wie  z. B. den Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft durchgeführt wird. Wir müssen erkennen, wann und wie neue Ergebnisse der Grundlagenforschung zu marktrelevanten Produkten entwickelt werden können.
Ein gutes Beispiel ist der Bereich der Höchstfrequenzsensorik, da sind wir technologieführend durch die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IAF und der Ruhr-Universität Bochum. Ein zweites Beispiel ist die Technologie der elektronischen Strahlschwenkung für Radarsysteme. Hier kooperieren wir eng mit deutschen Verteidigungsfirmen und zeigen mit GESTRA wie’s geht. Neben neuen Hardware-Technologien bieten neue mathematische Verfahren immer wieder die Möglichkeit, die Funktionalität eines Radarsystems zu verbessern oder zu erweitern.

Welchen Leistungsumfang wird das Fraunhofer FHR künftig seinen Partnern zur Verfügung stellen können?

Das Fraunhofer FHR hat weltweit führende Kompetenzen in der Nutzung elektromagnetischer Wellen für Sensoraufgaben. Dieses Wissen setzen wir für aktuelle Fragestellungen in militärischen und zivilen Aufgaben ein. Unsere Partner können auf dieses Wissen in Form von Beratungsleistungen, Experimenten und F&E-Leistungen zugreifen. Für die Zukunft gilt es im Bereich des Verteidigungsmarktes den Kontakt zu den KMUs zu vertiefen. Hier sehe ich noch Potential, um der Fraunhofer-Idee besser gerecht zu werden; Forschungs- und Entwicklungsleistungen auch für kleine Betriebe anzubieten, welche sich das nicht selber leisten können.