Verkehr

Radarsensorik - Immer an Bord!

Zu Lande, zu Wasser und in der Luft: Radar ist ein Schlüsselsensor für mehr Autonomie und Sicherheit im Verkehr. Dr. Andreas Danklmayer vermittelt deshalb Kunden und Partnern der Branche als erster Ansprechpartner schnell die passenden Experten des Fraunhofer FHR.

Fraunhofer Netzwert Symposium am Dienstag (27.02.2018) in München. Foto: Marc Müller
© Fraunhofer Gesellschaft/Marc Müller

Fraunhofer Netzwert Symposium am Dienstag (27.02.2018) in München. Foto: Marc Müller

Dr. Danklmayer, seit Anfang 2019 sind Sie Sprecher des Geschäftsfelds Verkehr in Vollzeit und damit das Gesicht des Fraunhofer FHR für Kunden und Partner aus der Verkehrsbranche. Wieso geht das Institut diesen Schritt?

Alle Zweige der Verkehrsbranche stehen vor großen neuen Herausforderungen: Im Straßenverkehr steht die moderne Fahrerassistenz bis zum autonomen Fahren im Vordergrund, im zunehmenden Schiffs- und Flugverkehr v. a. die höheren Anforderungen an die Sicherheit und im Schienenverkehr ergeben sich z. B. durch die stärkere Auslastung der Systeme beim Gütertransport neue Herausforderungen. Die Nachfrage nach zuverlässigen und effizienten neuen Technologien wächst. Wir wollen unseren Kunden und Partnern mit einem Hauptansprechpartner für das Geschäftsfeld Verkehr die Suche nach passenden Lösungen vereinfachen.

Das Fraunhofer FHR erforscht und entwickelt Radar- und Hochfrequenztechnologie. Wie kann die zur Lösung dieser neuen Herausforderungen beitragen?

Wenn ein Auto autonom fahren oder eine Paketdrohne autonom fliegen soll, müssen sie Verkehrswege und Hindernisse bei allen Wetter- und Lichtverhältnissen zuverlässig erkennen können. Radar kann Objekte und Abstände unabhängig vom Licht, auch bei Staub oder Nebel, hochexakt vermessen. Das macht es für Navigations- und Detektionsaufgaben unerlässlich. Auch landende Hubschrauber können sich auf Radar verlassen, wenn aufgewirbelter Staub die Sicht zum Boden verdeckt, und Containerschiffe können sich mit Radar gegenseitig sowie kleinere Objekte im Wasser, z. B. Wassersportler, jederzeit orten. Außerdem kann Radar Objekte durchdringen und ist damit z. B. für die Bahn zur Überprüfung des Gleisbetts hochinteressant.

Im Verkehr ist Radar ja lange bekannt: Viele Autos haben Radar an Bord und jeder kennt die rotierenden Antennen auf Schiffen. Was bietet das Fraunhofer FHR hier Neues?

Ja, auch Radarsensoren mit Fraunhofer FHR-Antennendesign sind schon über 30 Millionen Mal in verschiedenen Fahrzeugtypen verbaut. Aber die Anforderungen ändern sich: Immer mehr Verkehrsteilnehmer sollen mit immer autonomeren Fahrzeugen sicher ans Ziel kommen. Dabei sollen die Sensoren möglichst klein, energie- und kosteneffizient sein und dürfen sich nicht gegenseitig stören. In modernen Autos sind mittlerweile bis zu 20 Antennen verbaut, auf militärischen Plattformen noch mehr! Da sind einerseits ganz neue Antennenkonzepte gefragt, wie miniaturisierte, perfekt in die Fahrzeugstruktur integrierte Sensoren bei Autos oder effiziente, nicht rotierende und damit wartungsarme Antennen auf Schiffen. Andererseits muss die Signalverarbeitung intelligenter werden und die Umgebung schneller und besser erkennen, während sich das System dafür laufend selbst an die Situation anpasst und sich mit anderen Sensoren abgleicht. Mit unserer enorm tiefen und breit aufgestellten Expertise in Sachen Hochfrequenzsysteme, elektromagnetische Simulation, Signalverarbeitung und Klassifizierung können wir den Kunden umfassende, genau auf ihren Bedarf zugeschnittene Lösungen bieten, angefangen bei der Beratung, über den Systementwurf und -test bis zum Prototyp und der Kleinserie.

Als Geschäftsfeldsprecher vermitteln Sie zwischen Industrie und den Experten am Institut. Was ist dabei die größte Herausforderung?

Mir hilft natürlich, dass ich selbst schon lange im Geschäftsfeld Verkehr aktiv bin, als Wissenschaftler und nebenamtlicher Geschäftsfeldsprecher und sowohl die Technologien als auch die Branche sehr gut kenne. Die Herausforderung ist, in beiden Richtungen am Ball zu bleiben: Sowohl nah am Puls der Branche, als auch fachlich den Überblick zu behalten. Nur so kann ich das Know-how intern bündeln, Bedarfe der Kunden aufdecken und erkennen und vermitteln, wie wir mit Radar helfen können.

Mit der neuen Aufgabe verzichten Sie nun ja auf eigene Forschungsaktivitäten. Werden Sie das vermissen?

Hier ist Joseph von Fraunhofer mein Leitbild: Er war auch Forscher und Unternehmer. Mein Forschergeist ist durch die neue Aufgabe nicht abgeschwächt und darf es auch gar nicht sein, um kompetenter Ansprechpartner für unsere Kunden zu bleiben. Das Rad dreht sich immer weiter und die neuesten Forschungsergebnisse bleiben für mich spannend. Ich sehe es als Aufgabe, wichtige Impulse aus der Wirtschaft in die Fraunhofer FHR-Forschungsplanung einzuspeisen.