Promotion am FHR

»Unglaublich Spannend«

© Foto Fraunhofer FHR

Robert Kohlleppel kam 2007 als Diplomand ans Fraunhofer FHR. Nach seinem Abschluss wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut und promovierte Anfang 2015 mit Auszeichnung. Im Herbst folgte die Ernennung zum Teamleiter.

Herr Dr. Kohlleppel, Sie sind seit acht Jahren am Institut. Wie sind Sie ans Fraunhofer FHR gekommen? 

Ich habe in Bochum an der Ruhr-Universität Elektrotechnik und Informationstechnik studiert. Es gibt ja schon seit langem eine traditionelle Verbindung zwischen der RUB und dem Fraunhofer FHR. Darüber habe ich dann Professor Ender und auch den Forschungsbereich Radar bzw. das Fraunhofer FHR kennengelernt. Gleichzeitig habe ich schon während meines Studiums gemerkt, dass mir Signalverarbeitung nicht nur gut liegt, sondern auch viel Spaß macht. Das war ein Thema, das ich unbedingt vertiefen wollte. Und so hat es sich angeboten, für meine Diplomarbeit ans Fraunhofer FHR zu kommen, weil es hier viele spannende Aufgaben im Bereich der Radarsignalverarbeitung gab.

Anfang des Jahres haben Sie in diesem Bereich auch promoviert. Was war das Thema Ihrer Promotion?

Der Titel lautete »Ground moving target tracking with space-time adaptive radar«. Es geht hierbei sowohl um die Zielverfolgung wie auch um die Zielentdeckung mittels eines Radarsystems. Bisher wurden diese beiden Themen als verschiedene Welten gesehen. Es bietet sich einfach an, hier nach der Radarsignalverarbeitung einen Schnitt zu machen. Vielfach werden diese beiden Aufgaben daher auch von unterschiedlichen Abteilungen gehandhabt, so auch hier am Standort. Meine Arbeit führt diese Welten nun zusammen und stellt sie als Einheit dar. Ich habe im Zuge der Arbeit auch einen neuen Algorithmus für die Bodenzielverfolgung entwickelt, der die Radarsignalverarbeitung eng in die Zielverfolgung integriert. Der Vorteil ist, dass man durch eine bessere Modellierung der Radarmessungen auch bessere Zielverfolgungsergebnisse erreichen kann. Besonders ist auch, dass in meiner Arbeit die Verfahren mit Experimentaldaten – die wir mit dem Experimentalsystem PAMIR des Fraunhofer FHR aufgezeichnet haben – validiert werden.

Während Ihrer Promotion sind Sie Vater geworden. War es schwierig, Familie, Beruf und Promotion unter einen Hut zu bekommen?

Die Familie ist in der letzten Phase der Promotion entstanden. Als ich mich dann kurz nach der Geburt noch mal ans Schreiben setzen musste, das war schon nicht ganz so einfach. Aber nachdem ich dann soweit fertig war, dass ich die Arbeit zum Kommentieren an die Gutachter gegeben hatte, konnte ich eine längere Elternzeit nehmen. Da hat das Fraunhofer FHR mich gut unterstützt.

Im September sind Sie zum Teamleiter ernannt worden. Wie gefällt Ihnen Ihre neue Aufgabe?

Ja, das ist wirklich erst vor ein paar Wochen passiert. Dieser Arbeitsschwerpunkt wurde am FHR auch neu begründet. Vor vier Wochen, Anfang Oktober, kam auch erst mein erster Mitarbeiter, meine zweite Mitarbeiterin sogar erst letzte Woche! Es gefällt mir auf jeden Fall sehr gut. Ich freue mich darauf, gemeinsam an einem Thema zu forschen, Mitarbeiter anzuleiten, das eigene Wissen weiterzugeben und gemeinsam aus den Ideen und Forschungsergebnissen mehrerer ein großes Gesamtbild zu formen.

Womit befasst sich Ihr Team?

Wir arbeiten an der Radarsignalverarbeitung für die Weltraumüberwachung. Eine Aufgabe wird beispielsweise sein, die Signalverarbeitung für das Großprojekt GESTRA zu konzipieren und umzusetzen. Ich finde es unglaublich spannend, dass auf der einen Seite die Forschung steht und andererseits Verfahren, die wir entwickeln, schon bald bei GESTRA genutzt werden. Bei meiner Doktorarbeit war es ja so, dass es eine Forschungsarbeit war. Das heißt, es gab – noch – keinen Kunden dafür. Das ist hier ganz anders: Das, was wir machen, wird wirklich benötigt und trotzdem ist es keine Routinearbeit. Wir müssen völlig neue Konzepte entwerfen. Das ist toll! Natürlich haben wir Fristen und Abgabetermine einzuhalten, aber ich sehe das positiv. So weiß ich, dass ich in ein paar Jahren das Ergebnis der Arbeiten sehen werde.

In dem Großprojekt GESTRA geht es darum, ein neuartiges Radar zur Erfassung der Weltraumlage zu konzipieren. Warum ist Weltraumlage ein so wichtiges Thema?

Weltraumlage ist so wichtig, weil wir den erdnahen Weltraum ja sehr intensiv nutzen; durch Kommunikation, Navigation und weitere Satelliten-basierte Dienste. Diese sind derzeit bedroht durch mögliche Kollisionen mit anderen Satelliten oder Trümmerteilen, die sich im Orbit befinden. Um in Zukunft zum Beispiel Ausweichmanöver planen zu können, braucht man sehr gute Kenntnis der Bahnen all dieser Objekte. Die Überwachung des erdnahen Weltraums ist für die Gesellschaft eine sehr wichtige Aufgabe. Und Radar ist ein sehr guter Sensor, um eben diese Informationen zu gewinnen.